Schneller - höher - breiter? Wenn Jugendliche illegale Substanzen konsumieren

Unter dem Motto „ Schneller, höher, breiter? … wenn Jugendliche illegale Substanzen konsumieren“ fand am Montag eine Fachtagung zum Thema statt. Über 100 interessierte Gäste aus Schulen, Jugendhilfe, Jugendarbeit, Suchthilfe und Gesundheitswesen waren zu Gast in der Anne-Frank-Schule, um sich über das Konsumverhalten von Jugendlichen zu informieren. „Wir freuen uns sehr über diese tolle Resonanz, aber das zeigt auch, wie aktuell und präsent dieses Thema bei der Zielgruppe ist“, erklärt Harald Nolte von der Fachstelle für Suchtprävention des Diakonischen Werks Werra-Meißner. Die Nachfrage nach Informationen war im letzten Jahr besonders gestiegen, so ist der Fachtag entstanden. „Fachkundig in das Thema einführen“.
In einer Podiumsdiskussion berichteten Dr. Birgit Riediger, Leiterin der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz Eschwege, Natascha Weber und Sebastian Kellner von der Jugendhilfe im Strafverfahren und Anna Samland von der Fachstelle für Suchtprävention über problematischen Umgang mit illegalen Suchtmitteln und die jeweiligen Herangehensweisen. von Jugendlichen im Werra-Meißner-Kreis. „Zu uns kommen Jugendliche nicht wegen Suchtproblemen, sondern weil sie andere Probleme haben, allerdings kann man ihnen ab und zu entlocken, dass sie schon einmal etwas genommen haben“, so Dr. Birgit Riediger. Das Einstiegsalter für Cannabis liegt laut den Aussagen der Experten bei 12 bis 13 Jahren. „Bei uns gibt es immer Wellenbewegungen, die meisten Jugendlichen werden zu uns geschickt, von der Schule, der Jugendgerichtshilfe oder auch von den Eltern, wir gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus, viele haben Hemmungen ihr Kind zu uns zu schicken“, berichtet Anna Samland. Jüngere Konsumenten würden Cannabis wählen, ältere eher Alkohol. „Man muss nicht erst süchtig sein, um zu uns zu kommen, wir beraten in allen Fragen und veranstalten auch Schulworkshops oder Elternabende“, so Anna Samland weiter. „Die meisten Jugendlichen haben kein Gefahrenbewusstsein, man muss sich nur bewusst sein, warum Jugendliche zu Drogen greifen, Probierkonsum, Frustration oder schlimme Erlebnisse spielen dabei eine wichtige Rolle“, so Dr. Birgit Riediger. Zuvor gab es zwei Referate, Dirk Grimm vom Projekt Mindzone in München, einem safer nightlife Projekt, berichtete über Konsummuster und –motive zum Substanzgebrauch. Sehr detailliert stellte er auch Cannabis, Amphetamine und NPS (Neue psychoaktive Substanzen) vor. Besonders eindrücklich wurde, wie einfach Zugangswege zu illegalen Substanzen ist: Sie können in der Regel übers Internet bestellt werden.
Dr. Bernd Werse vom Centre for Drug Research an der Goethe Uni Frankfurt, ging aus sozialwissenschaftlicher Sicht auf aktuelle Konsummuster und Trends bei illegalen Drogen ein. Sein Bezugspunkt ist die MoSyD Studie, eine Drogentrendstudie, die jährlich Konsumverhalten Frankfurter Schüler untersucht. Er zog daraus Schlüsse auf Konsumverhalten in der ländlichen Region. Sonja Berg,WR
Harald Nolte