Bundesweiter Aktionstag zur Glücksspielsucht

Hohe Gewinnaussichten, gute Quoten, vermeintlich sichere Tipps und die eigenen Sportkenntnisse animieren viele Menschen, sich an Sportwetten zu beteiligen. Über 37.000 Menschen in Hessen haben Probleme mit Glücksspielen, darunter fallen auch immer mehr Sportwetten.[1] Die Fachberatung für Glücksspielsucht des Diakonischen Werkes Werra-Meißner machte am Mittwoch im Rahmen einer hessenweiten Öffentlichkeitsaktion am Marktplatz in Eschwege auf die besonderen Risiken aufmerksam.

 

Zum frühen Ausscheiden der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der diesjährigen Fußball Weltmeisterschaft wurde schon viel berichtet, kommentiert und diskutiert. In einem sind sich alle Betrachter einig: Das Fußballfest fiel kürzer, der anschließende „Kater“ dafür umso unangenehmer aus. Doch nicht nur das sportliche Ergebnis enttäuschte. Auch aus finanzieller Sicht wird die WM für diejenigen in schlechter Erinnerung bleiben, welche den guten Quoten und der eigenen Expertise Vertrauen schenkten. „Die Anreize und Aufforderungen, sich an Sportwetten zu beteiligen, sind im Alltag allgegenwärtig. Sportwettanbieter verpflichten mittlerweile namhafte Sportler als Markenbotschafter, die Millionen von Sportfans animieren, ihr Wissen zu nutzen und Wetteinsätze zu tätigen“ berichtet Anna Niebeling von der Fachberatung für Glücksspielsucht der Fachstelle für Suchthilfe. Im Gespräch mit Interessierten an der Öffentlichkeitsaktion am Marktplatz ergab sich ein klares Stimmungsbild: Die meisten Passanten waren der Meinung, dass es sich bei Sportwetten um eine Form des Glücksspiels handle. Inwiefern die eigene Kompetenz das Erzielen von Gewinnen beeinflusse, ergab eine geteilte Meinung bei den Passanten.

Nach den Geldspielautomaten und Online-Glücksspielangeboten seien es Sportwetten aus deren Nutzung sich am häufigsten eine Glücksspielsucht entwickelte, informierten die Fachleute. Die Verbreitung des Smartphones und eine derzeit nicht funktionierende gesetzliche Regelung des Online-Sportwettmarktes lockt vor allem Jugendliche und junge Erwachsene an.

Laut einer Studie von Goldmedia wächst der Sportwettmarkt aber nicht nur durch sportliche Großereignisse. Von 2015 bis 2017 sind die Wetteinsätze in Deutschland demnach kontinuierlich und um mehr als die Hälfte (56%) gestiegen. Nach Brutto-Spielerträgen, d.h. Spieleinsätzen abzüglich Gewinnauszahlungen, sei im deutschen Wettmarkt mit einem Volumen von knapp 1,1 Mrd. Euro im Jahr 2017 erstmals die Milliardengrenze überschritten worden.[2]

Zentral ist zu betonen, dass bei Sportwetten letztlich das gleiche gelte wie bei allen anderen Glücksspielformen: „Wichtig ist immer sich vor dem Geldeinsatz darüber im Klaren zu sein, das am Ende immer die Bank gewinnt“. Wer jedoch dem Impuls folge „wenigstens“ das eigene Geld wieder reinzuholen, gerate sehr schnell in einen nicht zu gewinnenden Abstiegskampf.

[1] Hessische Landesstelle für Suchtfragen

[2] German Gambling Market Monitor 2018